TVL startet mit Niederlage in die Play-Offs

    Lilienthal. Knapp 200 Zuschauer sahen am vergangenen Samstagabend in der Schoofmoorhalle zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Der TV Lilienthal empfing die Gäste der Unihockey Igels Dresden (1. Platz 2. Bundesliga Ost) zum Hinspielduell der Play-Offs um den Einzug in die 1. Bundesliga. Lange Zeit lieferten sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch und boten damit eine sehr ansehnliche und spannende Partie. Zwei Minuten der Unachtsamkeit brachten am Ende die Entscheidung. Mit einem voll besetzen Kader (14 Feldspieler, 2 Torhüter) konnte Spielertrainer Dennis Heike aus dem Vollen schöpfen. Auch Tobias Melde war extra für diese Begegnung wieder aus München angereist.

    In den ersten Minuten hätte wohl niemand erwartet, dass man am Ende von einer sehr ausgeglichenen Partie sprechen kann. Die Lilienthaler erwischten ausgerechnet heute wieder mal einen rabenschwarzen Spielbeginn. Die Nervosität und Anspannung waren deutlich zu spüren. Erst nach circa sechs Minuten merkten Auswechselspieler und Zuschauer, wie ein Ruck durch die Mannschaft ging und eine Menge Ballast förmlich von den Schultern fiel. Bedauerlicherweise hatten die Dresdner zu dem Zeitpunkt schon drei Tore erzielt. Die fehlende Erfahrung und der Altersunterschied waren wohl verantwortlich dafür, dass der TVL zunächst gedanklich nicht frei aufspielen konnte und die Partie damit denkbar schlecht begann. In der Folge gelang es den Lilienthalern aber immer besser die Angriffe der Gäste abzuwehren. Der erhöhte Ballbesitz sorgte dann auch dafür, dass man immer wieder gefährlich vor das Tor der Gäste kam. Mit einem Doppelschlag durch Fabian Diaz und Dennis Heike innerhalb von 18 Sekunden gelang es dann fünf Minuten vor Drittelende auch relativ schnell den Anschluss wieder herzustellen. Kurz darauf stellten die Schiedsrichter nach einem Gerangel an der Bande von beiden Teams je einen Spieler für zwei Minuten vom Feld. Der TVL wollte den gewonnen Raum nutzen, lief aber prompt in einen Konter und kassierte das 4:2. Dies tat den Bemühungen der Lilienthaler allerdings keinen Abbruch. 30 Sekunden vor Schluss gelang der erneute Anschlusstreffer. In einer Überzahlsituation erspähte Alexander Seitz den freistehenden Heike welcher sicher verwandelte.

    Im zweiten Drittel sollte dann ein weiterer Fehlstart unbedingt vermieden werden. Ole Appenrodt fasste sich bereits nach 48 Sekunden ein Herz und zog einfach mal ab. Der Ball landete unhaltbar, für den ansonsten stark agierenden Gäste-Torhüter Georg Jahn, im Winkel. Ausgleich! Der TVL war wieder voll zurück im Spiel und man merkte den Gästen deutlich an, wie Sie mit der Spielart der Lilienthaler zu kämpfen hatten. Über die gesamte Saison hinweg (14 Spiele) musste man in Dresden nur ein einziges Mal die Erfahrung einer Niederlage machen. Alle anderen Spiele wurden souverän gewonnen. Natürlich ließen die Gäste trotzdem nicht die Köpfe hängen und brachten in der 26. Spielminute einen weiteren Konter ins Ziel. Von nun an ging es nur noch hin und her. Tobias Melde gelang nur eine Minute später der erneute Ausgleich, zog sich bei dem nach dem Torschuss folgenden Foul allerdings einen Kapseleinriss am Finger zu und fällt damit für das Rückspiel am kommenden Wochenende in Dresden definitiv aus. Das vorhandene Adrenalin sorgte dafür, dass er zumindest dieses Spiel noch schmerzfrei absolvierte. Ein individueller Fehler im Spielaufbau des TVL verhalf den Gästen in der Folge zur erneuten Führung, die wenige Minuten später durch einen, ärgerlicherweise völlig unberechtigten, Strafschuss auch erstmals wieder zu einer Zwei-Tore-Führung ausgebaut werden konnte. Das dem angeschlagenen Tobias Melde noch vor dem Ende des Drittels der Anschlusstreffer zum 6:7 gelang, hielt die Spannung aufrecht.

    Mit großen Hoffnungen startete dann das letzte Drittel. Alle Beteiligten waren gespannt auf die Entscheidung, die dann bedauerlicherweise auch sehr früh fallen sollte. Eine aus dem zweiten Drittel übernommene Zeitstrafe gegen Mark-Oliver Bothe wurde zunächst noch schadlos überstanden. Dann folgte allerdings ein Rückfall in ganz alte Zeiten. Binnen 55 Sekunden erzielten die Gäste die Tore 8, 9 und 10 – die Vorentscheidung. Lilienthal war völlig von der Rolle und hatte wohl alle guten Vorsätze in der Kabine gelassen. Individuelle Fehler ermöglichten den Gästen in dieser kurzen Phase eine Menge Chancen, die die erfahrenen Spieler der Dresdner auch eiskalt ausnutzten. Auch wenn durch Niklas Krieger und Alexander Seitz der Rückstand schnell wieder verringert wurde – die Lilienthaler waren aus dem Spiel. Eine Umstellung der Blöcke auf Seiten Lilienthals sollte noch mal neue Offensivkräfte freisetzen, brachte allerdings auch weitere Lücken in der Abwehr mit sich, die vor allem vom Dresdner Sturmduo Schuschwary und Gruhne immer wieder genutzt wurden. Vor allem im Bereich der Schnelligkeit waren hier deutliche Nachteile auf Lilienthaler Seite zu erkennen.  Der TVL konnte, nach zwei weiteren Gegentoren, in einer Überzahlsituation noch mal auf 9:12 verkürzen, die Gäste ließen aber nicht nach und setzen beinahe jeden Versuch ins Tor. 9:15 zeigte die Anzeigetafel nach 60 gespielten Minuten, da wirkte die Schlusssirene fast schon wie eine Erlösung.

    Ein völlig ausgeglichenes Spiel mit einem solch hohen Ergebnis sieht man auch nicht alle Tage. Die Lilienthaler machen sich Ihr eigenes Spiel mit zwei kurzen aber heftigen Schwächephasen selbst kaputt. Man kann sicher nicht sagen, dass es hier nur an der Erfahrung mangelt, der Hauptgrund ist wohl in den Köpfen jedes einzelnen Spielers zu suchen. Über weite Strecken der Partie haben alle gesehen, zu was der TVL im Stande ist. Im Rückspiel am kommenden Samstag in Dresden will das Team um Dennis Heike auf jeden Fall einen Sieg erzielen um das Entscheidungsspiel am direkt folgenden Sonntag zu erzwingen.

    Je nach Verfügbarkeit von Internet in der Halle der Gäste werden wir einen Liveticker anbieten. Aktuelle Infos dazu gibt es unter www.floorball-lilienthal.de

    TV Lilienthal:

    [T] Ralf Hallerstede, Lisa Entelmann, Sebastian Janßen, Marc Lubes (1 Tor; 0 Assists), Nils Frese, Niklas Krieger (1; 0), Ole Appenrodt (1; 0), Fabian Diaz de Armas (1; 0), [T] Freya Mordhorst, Björn Lubes, Andre Heissenbüttel, Mark Oli Bothe (0; 1), Alexander Seitz (1; 2), [C] Dennis Heike (2; 2), Daniel von der Heyde, Tobias Melde (2; 0)